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Berlin.
Mit der Frage, inwiefern die aktuelle
deutsche Energiepolitik mit der europäischen Energiepolitik kompatibel
ist, beschäftigte sich der Arbeitskreis Zukunftsenergien des Forum für
Zukunftsenergien in seiner Sitzung am 23. November 2011 unter der
Moderation der Geschäftsführerin Dr. Annette Nietfeld.
Der
Kurator des Forum für Zukunftsenergien und ehemalige, langjährige
Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Dr. Rolf Linkohr, stellte
eingangs die Kompetenzverteilung zwischen der europäischen und den
nationalen Energiepolitiken klar. Seit dem Vertrag von Lissabon gäbe es
eine geteilte Verantwortung: Die Mitgliedstaaten entschieden über ihren
Energiemix, während die EU für den Energiemarkt, die Sicherheit der
Energieversorgung, die Energieeffizienz und die Erneuerbaren Energien zuständig
sei. Der angestrebte europaweite Netzausbau führe allerdings zu einem erhöhten
Abstimmungsbedarf der nationalen Energiepolitiken auch bezüglich des
Energiemix. Deshalb habe der im Alleingang gefasste deutsche Beschluss zur
Energiewende viele verärgert. Die Durchsetzungskraft der EU bewertete er
als gering. Ihre Richtlinien verpflichten die Mitgliedstaaten zwar zu
bestimmten Maßnahmen, es sei jedoch
schwer bis unmöglich, ihre Einhaltung tatsächlich zu erzwingen. Zudem führe
die Vielfalt an europäischen Zielen dazu, dass das europäische
Energiesystem überbestimmt sei. Da es keine eindeutige Lösung für alle
Eventualitäten geben könne, genüge es seiner Meinung nach, wenn die
Richtung vorgegeben sei und der Bezug zur Wirklichkeit, etwa auf die
Finanzkrise oder das mögliche Scheitern der internationalen Klimapolitik
hergestellt sei.
Auch
Dr. Oliver Geden (Senior Researcher. Stiftung Wissenschaft und Politik) betrachtet die
deutsche Energiewende im Alleingang skeptisch. Seiner Meinung nach überschätzten
Parteien und Medien die nationalen Gestaltungsspielräume deutlich. Die
deutsche Versorgungssicherheit bei Strom und Gas sei am effizientesten mit
einer weiteren Integration des Energiebinnenmarkts zu erreichen und
Importe aus Nachbarstaaten seien dabei nicht per se als problematisch zu
bewerten. Er wies darauf hin, dass das Ende der Atomstromproduktion in
Deutschland nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Atomstromkonsums in
Deutschland sei und prognostizierte, dass dieses Thema in einigen Jahren
zum Gegenstand (partei)politischer Auseinandersetzungen werden würde.
Auch ein freiwilliges deutsches Klimaschutzziel sei nicht notwendig, da
die gesamte europäische Stromproduktion in den EU-Mitgliedstaaten dem
gemeinsamen Emissionshandel unterworfen sei, in dessen Rahmen ab 2013
keine nationalen Ziele, sondern lediglich ein gesamteuropäisches Ziel
existiere. Geden kommt zu dem Schluss, dass Deutschland verstärkt auf
eine Veränderung des europäischen Rechtsrahmens setzen müsse, wenn die
Energiewende zum Erfolg geführt werden solle.
Aus
der Sicht eines Unternehmens, das nicht nur national, sondern europaweit
und auch darüber hinaus tätig ist, beantwortete Dr. Volkmar Pflug
(Leiter "Market and Competitive Intelligence", Siemens AG) die
Frage, wie das Zusammenspiel der nationalen und europäischen
Energiepolitik optimiert werden könne. Die EU 27 hätten zwar gemeinsame
Klimaschutzziele und damit verbunden auch Ziele für den Zubau
erneuerbarer Energien, aber aufgrund der individuellen nationalen
Energiepolitiken sei das Bild in den Ländern sehr heterogen. Das Beispiel
Deutschland zeige, dass einzelne Nationen zwar viel erreichen könnten,
mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Kosten jedoch ein großer
Abstimmungsbedarf zwischen der nationalen und der europäischen Ebene
existiere. Um auch auf europäischer Ebene die Klimaschutzziele
einzuhalten, müsse man die Stärken der einzelnen Länder für ein
europaweites Energiesystem nutzen, in dem man z.B. in den südlichen Ländern
die Solarenergie nutze und an der Nordsee die Windenergie.
Für
Andreas Kuhlmann (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.)
ist die Verzahnung von europäischer und nationaler Energiepolitik in
Zukunft von entscheidender Bedeutung für den effizienten Umbau der
Energieversorgung. So müsse z.B. die Suche nach einem langfristig
ausgelegten europäischen Marktdesign stärker in den Vordergrund der Überlegungen
rücken. Er bedauerte es sehr, dass dieser Sachverhalt in der deutschen
energiepolitischen Debatte lediglich eine untergeordnete Rolle spiele und
im Gegenteil Themen wie „energieautarkes Deutschland“ in einzelnen
Bundesländern und Kommunen Konjunktur hätten. Kuhlmann führte aus, dass
die vermeintlichen Vorteile einer solchen deutschen Energiepolitik nicht
dauerhaft nationalisiert und dabei die Probleme europäisiert werden könnten.
Wenn Politik wirklich „Energieautarkie“ wolle, habe das Konsequenzen.
Er forderte, diese Debatte rasch zu führen und mögliche Varianten auf
ihre Kompatibilität mit den europäischen energiewirtschaftlichen
Rahmenbedingungen zu prüfen. Weiterhin sprach sich Kuhlmann dagegen aus,
europäische Richtlinien in einer Form umzusetzen, die über die europäischen
Zielsetzungen hinausgeht, wie das zurzeit im Fall der
Industrieemissions-Richtlinie von den Politikern diskutiert würde. Schließlich
führte er zum Thema „Energieaußenpolitik“ aus, dass auch diesbezüglich
europäischer gedacht werden müsste und bemängelte, dass eine
entsprechend intensive Debatte in Deutschland zurzeit nicht erkennbar sei.
Eine europäische Energieaußenpolitik müsse Rahmenbedingungen für den
Zugang zu Rohstoffquellen, die Absicherung von Transitwegen und eine
vorausschauende und lastengerechte Klimapolitik schaffen.
Auf
der Grundlage der Referate diskutierten anschließend die Mitglieder des
Deutschen Bundstages Dr. Martin Schwanholz (SPD), Klaus Breil (FDP) und
Ingrid Nestle.
Der
Arbeitskreis Zukunftsenergien wird von der Vattenfall Europe AG und der
Deutschen Bank AG unterstützt. Das Forum für Zukunftsenergien bedankt
sich dafür sehr herzlich.
Vorträge:
Dr.
Rolf Linkohr
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Dr.
Oliver Geden
(Senior Researcher, Stiftung Wissenschaft und
Politik)
(Herr Dr. Geden hat die Ergebnisse einer Studie vorgestellt.
Diese können Sie hier herunter laden.)
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Dr.
Volkmar Pflug
(Leiter "Market and Competitive Intelligence",
Siemens AG) |
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Mit
freundlicher Unterstützung von:

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