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Die
aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Debatte um die Kosten
klimapolitischer Maßnahmen in der Energieversorgung verstärkt. Das
Energieforum 2009 des Forum für Zukunftsenergien bot den Diskussionen über
den kosteneffizientesten Weg zur Erreichung der CO2-Reduktionsziele ein
Podium.
Dr.
Tessen von Heydebreck, Kuratoriumsvorsitzender des Forum für
Zukunftsenergien sowie Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung,
eröffnete das Energieforum 2009 und ordnete des Thema „Kosten des
Klimaschutzes“ in den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmen
ein: Die aktuelle globale Wirtschaftskrise habe den Klimawandel und seine
Gefahren in den Hintergrund gerückt, ebenso das Thema
Energieversorgungssicherheit. Das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung
trotzdem dafür wach zu halten, sei eine besondere Herausforderung.
Er
verurteilte die Versuche der Politik, die Rezession und den Klimawandel
gegeneinander auszuspielen. Stattdessen müssten Konjunkturprogramme in
ausgewogener Weise mit den ökologischen Zielen verknüpft sein, wie z.B.
durch die Sanierung öffentlicher Gebäude.
Dr.
von Heydebreck erinnerte an den so genannten Stern-Report der den
Klimawandel als das größte Marktversagen in der Geschichte mit überwiegend
negativen Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche des Menschen
brandmarkt. Es bleibe jedoch ein Gebot, Klimaschutzmaßnahmen immer auch
unter finanziellen Gesichtspunkten auf Effektivität und Effizienz zu überprüfen,
da die finanziellen Ressourcen begrenzt bleiben. Aus diesem Grunde seien
die Mittel dorthin zu lenken, wo sie den größten ökologischen Nutzen
erzielen. Er mahnte eine Offenheit für neue Technologien und die
Bereitschaft, Fehlentwicklungen zu erkennen an. Politische Ideologien
seien hingegen der Feind intelligenter Lösungen.
Nach
Einschätzung von Dr. von Heydebreck sei das Jahr 2009 mit der anstehenden
Weltklimakonferenz in Kopenhagen, der Weltwirtschaftkrise, der Bewährungsphase
für Barack Obama und auch den deutschen Bundestagswahlen entscheidend für
die Entwicklung der Klimaschutzpolitik.
In
seinem anschließenden Vortrag sah Prof. Dr. Marc O. Bettzüge (Direktor
des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln) die
Kostenfrage des Klimaschutzes als Auslöser erheblicher gesellschaftlicher
Konflikte.
Nach
seinen Beobachtungen beteuere die Politik, dass die bereits eingeleiteten
und noch anstehenden Maßnahmen das Klima wirksam schützen und nicht
kostspielig seien, sondern – im Gegenteil - der Volkswirtschaft viele
Vorteile brächten. Auf der anderen Seite sage die energieintensive
Industrie, dass die Maßnahmen der Volkswirtschaft viel zu hohe Kosten
aufbürden und dass sie sich die die Maßnahmen in diesen Zeiten nicht
leisten könne.
Prof.
Bettzüge klopfte beide Positionen auf ihre Plausibilität ab und kam zu
dem Ergebnis, dass keine der Positionen sachgemäß sei:
Es
könne zwar nicht bestritten werden, dass die Industrie sich realen Kosten
des Klimaschutzes gegenübersieht, doch obwohl diese Position der
Unternehmen in sich richtig sei, trage sie nichts zur Lösung der
gesamtgesellschaftlichen Aufgabe bei. Schließlich könne es sein, dass
diesen betriebswirtschaftlichen Mehrkosten auf Unternehmensebene an
anderer Stelle in der Ökonomie oder in der Bewahrung der natürlichen
Lebensgrundlage ein ungleich wertvollerer Vorteil bzw. Nutzen gegenüber
steht.
Zu
den Beteuerungen der Politik führte Prof. Bettzüge aus, dass die in den
letzen Jahren von ihr eingesetzten Instrumente und Maßnahmen zur
weltweiten Reduktion der CO2-Emissionen kaum Wirkung erzielt hätten. Gemäß
des aktuellen Global Carbon-Report sei die Konzentration von CO2 in der
Atmosphäre zwischen den Jahren 2000 und 2007 um 2 ppm pro Jahr gestiegen
und damit deutlich stärker als in den drei Dekaden zuvor. Die tatsächliche
Entwicklung der CO2-Emissionen gehe trotz Klimaschutzbemühungen genau in
die falsche Richtung.
Nach
Auffassung von Prof. Bettzüge sei die Fokussierung auf nationale
Minderungsziele, die sich aus der Logik des Kyoto-Protokolls ergebe, irreführend,
denn mit Ausnahme des Wärme- und des Mobilitätssektors (die aus dem
Emissionshandelssystem ausgenommen sind) wird CO2 in der Regel nicht am
Ort des letzten Verbrauches des Produktes, sondern am Ort der Produktion
frei gesetzt (Ort der Stromerzeugung, Produktion von Konsumgütern).
Verlagere man die Produktion von Gütern, so komme man zwar auf nationaler
Ebene dem CO2-Minderungsziel einen Schritt näher, global erhöhe man aber
dadurch in aller Regel die Emissionen. Dies sei auf den anderen Energiemix
sowie auf die häufig geringeren Wirkungsgrade der Energieumwandlung außerhalb
Europas zurück zu führen.
Prof.
Bettzüge kritisierte, dass Effizienzgesichtspunkte – also die Reduktion
der Treibhausgasemissionen mit dem geringst möglichen wirtschaftlichen
Aufwand - bei der Ausgestaltung der klimaschutzpolitischen Maßnahmen nur
eine untergeordnete Rolle spielten. Als Beispiel nannte er den
CO2-Emissionshandel, der in seiner Theorie zwar tatsächlich zu einer
effizienten Reduktion der Emissionen führe, in der zurzeit praktizierten
Anwendung jedoch aufgrund der nur partiellen Anwendung (nicht alle
Sektoren, nicht alle Länder) und der Vielzahl der parallel existierenden
Klimaschutzinstrumente (Emissonshandel, EEG) ineffizient sei.
Nach
den Beobachtungen Prof. Bettzüges versuche die Politik, sich
durchzumogeln: Sie suggeriere den Wählern aus wahltaktisch
nachvollziehbaren Gründen nach wie vor, dass das Klima zu retten sei,
ohne den Preis für Energie dramatisch zu erhöhen. Die Politik suggeriere
auch, dass ein wirksames globales Klimaabkommen möglich sei, ohne
substanziell Einkommen aus der westlichen Welt in die Entwicklungsländer,
insbesondere nach China und nach Indien zu transferieren. Die Bürger und
die meisten Politiker glaubten das gerne, denn sie möchten ihre
Verhaltensweisen und Besitzstände nicht verändern. Nach Bettzüge sei
aber eine Klimarettung ohne eine deutliche Preiserhöhung für Energie und
ohne Transfers völlig undenkbar, wenn man sich die Größenordnung der
Herausforderung anschaue.
Prof.
Bettzüge kritisierte außerdem Politiker, die gleichzeitig für den
Klimaschutz eintreten und auf der anderen Seite niedrige Energiepreise und
hohe Konsumniveaus für die Verbraucher verteidigen. Der Trick mit dem
dieses geschehe, sei der, dass die mit dem Klimaschutz verbundenen Lasten
ausschließlich auf die Industrie verlagert würden und so getan werde,
als ob der Verbraucher außen vor bleibt. Die Industrie sei aber
letztendlich nur eine Zwischenstufe – der Endverbrauch finde immer beim
Verbraucher statt.
Als
zentrale gesellschaftliche Aufgabe der heutigen Generation sah es Prof.
Dr. Bettzüge an, ein neues Wohlstandsmodell zu entwickeln, das eine
gesunde menschliche Entwicklung mit deutlich geringerem Energiebedarf pro
Kopf und bei deutlich verminderter CO2-Intensität der Energieumwandlung
ermöglicht.
Der
Vortrag von Prof. Dr. Bettzüge war Grundlage für die sich anschließende
Podiumsdiskussion mit Hildegard Müller (Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung,
BDEW e.V.), Werner Ressing (Leiter der Abteilung Industriepolitik,
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), Dr. Klaus Schäfer
(Vorsitzender der Geschäftsführung, Currenta GmbH & Co. OHG) sowie
Dietmar Schütz (Präsident, Bundesverband Erneuerbare Energien e.V.)
unter der Moderation von Dr. Werner Brinker (Vorstandsvorsitzender des
Forum für Zukunftsenergien sowie der EWE AG). Die Diskussionen rankten
sich vor allem um die Themen „finanzielle Folgen für den Verbraucher“
und „Erwartungen an Kopenhagen“.
Müller,
Ressing und Dr. Schäfer betonten, dass der notwendige Klimaschutz
finanzielle Folgen für die Wirtschaft und vor allem für den Verbraucher
habe. „Er tut weh“. Diese Folgen dürften dem Verbraucher nicht
verschwiegen werden. Ein transparentes Handeln sowohl seitens der Politik
als auch seitens der Energieversorgungsunternehmen sei erforderlich.
Hildegard Müller forderte, dass in diesen wirtschaftlich schwierigen
Zeiten die Politik nicht zudem auf anderen Ebenen weiter kürzen sollte,
in dem sie den Kernenergieausstieg weiter vorantreibe.
Dr.
Schäfer, als Vertreter der energieintensiven Industrie, äußerte u.a.
seine Verwunderung darüber, dass in der öffentlichen Diskussion zwischen
dem Bürger als Verbraucher und dem Bürger als Arbeitnehmer in der
Industrie unterschieden werde. Er forderte geringere Belastungen für die
Industrie.
Ressing
warnte davor, dass die Vorreiterrolle, die Deutschland im Klimaschutz
habe, auch gefährliche Folgen in Bezug auf die
Wettbewerbsfähigkeit des Landes haben könne. Schütz hingegen
betonte, dass die Vorreiterrolle auch auf andere Länder ausstrahle. So
sei das Erneuerbare Energien Gesetz Vorbild für andere Länder.
Das
Podium war sich einig darüber, dass eine konsistentere Energiepolitik
erforderlich sei. Dieses gelte vor allem mit Hinblick auf die von Prof.
Bettzüge kritisierte Vielzahl der parallel existierenden
Klimaschutzinstrumente. Schütz forderte in diesem Zusammenhang auch im
Hinblick auf den Kernenergieausstieg konsistent zu sein.
Die
Erwartungen der Diskutanten an die Weltklimakonferenz waren sehr
verhalten. Müller erinnerte daran, dass auch der Kyoto-Prozess lange Zeit
in Anspruch genommen habe, so dass mit verbindlichen Zielvereinbarungen in
Kopenhagen nach ihrer Einschätzung nicht zu rechnen sei. Ressing
berichtete, dass die Bundesregierung in den Gesamtansatz der EU
eingebunden sei. Nach seiner Einschätzung werde sich Deutschland schwer
tun, das EU-Klimapaket umzusetzen.
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