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Zum
Zeitpunkt der einsetzenden öffentlichen Diskussionen über das von der
Bundesregierung angekündigte Energiekonzept, diskutierte das Forum für
Zukunftsenergien anlässlich seines diesjährigen Energieforums darüber,
ob ein radikaler Systemwandel der Energieversorgung notwendig und
technisch möglich, wann der angemessene Zeitpunkt dafür gegeben und wie
er mit internationalen Entwicklungen sowie der europäischen Politik in
Einklang zu bringen wäre.
Dr.
Tessen von Heydebreck, Kuratoriumsvorsitzender des Forum für
Zukunftsenergien sowie Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank
Stiftung, ordnete das Thema in den aktuellen
wirtschaftlichen und energiepolitischen Zusammenhang ein. Er machte eine
allgemeine Übereinstimmung darin aus, dass die Energieversorgung den
Geboten der Nachhaltigkeit folgen sollte, sah aber in der Konkretisierung
des Zieldreiecks - Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und
Umweltverträglichkeit - Konflikte. Vor dem Hintergrund der beiden letzten
Jahrzehnte stünde er persönlich dem Konzept von radikalen und
fundamentalen Systemwechseln eher kritisch gegenüber. Energiewirtschaft
bräuchte Kontinuität, auch über Regierungswechsel hinaus.
Prof.
Dr. Thomas Hartkopf (stellvertretender Vorsitzender des Forum für
Zukunftsenergien und Leiter des Fachgebiets Regenerative Energien an der
Technischen Universität Darmstadt) zeigte auf, dass sich eine nachhaltige
Energieversorgung nur stetig entwickeln wird. Er verdeutlichte diese
Aussage am Beispiel der Kosten für die erforderlichen technischen
Infrastrukturen. Ihre Errichtung sei so kapitalintensiv, dass schon
deshalb nur langfristig investiert also verändert würde.
Seiner
Auffassung nach würde in der öffentlichen Diskussion über den Ersatz
von Kraftwerkskapazitäten der Versorgungssicherheit zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die geplanten jährlichen
Produktionsmengen in kWh aus den unterschiedlichen konventionellen und
regenerativen Quellen würden keine Auskunft darüber geben, ob die
Versorgung mit elektrischer Energie zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sei.
Während die installierte Kraftwerkskapazität fossiler Kraftwerke mit ca.
90% zur gesicherten Leistung beitrüge, läge dieser Wert bei
fluktuierenden regenerativen Energien aus Wind und Sonnenlicht bei weniger
als 10%. Wege zur Lösung dieses Problems seien neben dem Netzausbau und
der Speicherung von Energie auch ein verstärktes Last- und
Erzeugungsmanagement, z.B. mit Hilfe moderner
Kommunikationstechnologien.
Thomas
Bareiß, energiepolitischer Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, plädierte
ebenfalls für eine stetige Entwicklung und verwies auf den
Koalitionsvertrag. Darin sei u.a. formuliert, dass die konventionellen
Energieträger kontinuierlich durch alternative Energien ersetzt werden
sollten. Das Ziel des Bundesumweltministers Norbert Röttgen, bis 2050 die
Stromerzeugung in Deutschland fast vollständig auf erneuerbare Energien
umzustellen, bezeichnete er als sehr ambitioniert. Im Rahmen der für 2012
vorgesehenen Novelle des EEG müssten die einzelnen regenerativen
Energieträger unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit, Grundlastfähigkeit
und der Speichertechnologien einzeln betrachtet werden. Im Zusammenhang
mit den erneuerbaren Energien müsste auch das Thema „Netze“
angegangen werden.
Ferner
betonte Bareiß, dass auch in Zukunft nicht auf die Kohlekraft und die
Kernenergie verzichtet werden könne. Es müsse gemeinsam mit den Bundesländern
für Verständnis für die CCS-Technologie geworben und die Diskussionen
dort versachlicht werden. Weiterhin unterstrich er, dass die
CO2-Einsparungsziele der Bundesregierung ohne die Kernenergie nicht zu
erreichen seien. Bei der Festlegung der Dauer der Laufzeitverlängerung
sollte beachtet werden, dass in anderen Ländern Laufzeiten von 45-60
Jahren möglich sind.
Bezüglich
der denkbaren Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz unterstrich
er, dass die vorhandenen Potenziale durch Anreize und nicht durch Zwang
gehoben werden sollten. Wichtige Punkte hierbei seien u.a. das Gebäudesanierungsprogramm,
das vor wenigen Tagen aufgestockt worden sei, und die europäische
Energieeffizienzrichtlinie, die gemäß Koalitionsvertrag 1:1 umgesetzt
werden soll.
Schließlich
müsse auch die Akzeptanzproblematik von Großprojekten in allen Bereichen
zusammen mit den Oppositionsfraktionen angegangen werden.
In
der sich anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dr.
Werner Brinker (Vorstandsvorsitzender des Forum für Zukunftsenergien und
der EWE AG) mit Dr. Christian Friege (Vorstandsvorsitzender der LichtBlick
AG), Dr. Wolfgang Cieslik (Mitglied der Geschäftsführung, EVONIK Steag
GmbH), Albert Filbert (Vorsitzender des Vorstandes, HEAG Südhessische
Energie AG), Heiko Roß (Geschäftsführer der BARD Holding GmbH) und
Prof. Dr. Carl Christian von Weizsäcker (Vorstandsmitglied Forum für
Zukunftsenergien und Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut zur
Erforschung von Gemeinschaftsgütern) forderten alle Unternehmensvertreter
die Verlässlichkeit von Rahmenbedingungen, die nicht von jeder neuen
Regierung geändert werden dürften. Mit dem Verweis auf eine einmal
erfolgte Wahl eines bestimmten Geschäftsmodells und damit verbundene
finanzielle Entscheidungen; einschließlich der damit verbundenen
Planungs- und Bauzeiten, zielten ihre Argumente überwiegend in die
gleiche Richtung.
Herr
Prof. Dr. von Weizsäcker nahm eine entgegengesetzte Position ein. Der
Wunsch nach stabilen Rahmenbedingungen widerspreche dem Prinzip der
Demokratie. In einer Demokratie könnte sich die Politik aufgrund von
wechselnden Mehrheiten ändern und damit auch die Rahmenbedingungen. Die
Energiewirtschaft müsse sich darauf einstellen.
Im
Verlauf der Debatte wurde außerdem die Frage diskutiert, inwieweit Laufzeitverlängerungen
für Kernkraftwerke mit dem angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien
vereinbar seien. Herr Dr. Friege und Herr Filbert sahen darin einen großen
Widerspruch. Sie vertraten die Auffassung, dass es keine Stromlücke auf
der Erzeugungsseite gäbe und der Markt gesättigt sei. Wenn die
Kernkraftwerke also am Netz blieben, wäre kein Bedarf für weitere
Erzeugungskapazitäten gegeben. Da der heutige Kraftwerkspark von der
Grundlastfähigkeit ausgehe und die regenerativen Energien jedoch
fluktuierend seien, sei eine neue Struktur bezüglich der Erzeugung und
der Verteilung (Netzstrukturen) erforderlich. Inwiefern diese These trotz
des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren trägt, wurde nicht
diskutiert.
Das
Forum für Zukunftsenergien bedankt sich bei der BARD Holding GmbH, der
Deutsche Bank AG, der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) und der
LichtBlick AG sehr herzlich für die Unterstützung der
Veranstaltung.
Mit
freundlicher Unterstützung von:
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