Forum  für Zukunftsenergien e.V.

 
                            
     
 
   

     
Energieforum 2010 am 03. März 2010

Nachhaltige Energieversorgung - 
Radikaler Systemwandel oder stetige Entwicklung?

  

 

Zum Zeitpunkt der einsetzenden öffentlichen Diskussionen über das von der Bundesregierung angekündigte Energiekonzept, diskutierte das Forum für Zukunftsenergien anlässlich seines diesjährigen Energieforums darüber, ob ein radikaler Systemwandel der Energieversorgung notwendig und technisch möglich, wann der angemessene Zeitpunkt dafür gegeben und wie er mit internationalen Entwicklungen sowie der europäischen Politik in Einklang zu bringen wäre.

Dr. Tessen von Heydebreck, Kuratoriumsvorsitzender des Forum für Zukunftsenergien sowie Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung, ordnete das Thema in den aktuellen wirtschaftlichen und energiepolitischen Zusammenhang ein. Er machte eine allgemeine Übereinstimmung darin aus, dass die Energieversorgung den Geboten der Nachhaltigkeit folgen sollte, sah aber in der Konkretisierung des Zieldreiecks - Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit - Konflikte. Vor dem Hintergrund der beiden letzten Jahrzehnte stünde er persönlich dem Konzept von radikalen und fundamentalen Systemwechseln eher kritisch gegenüber. Energiewirtschaft bräuchte Kontinuität, auch über Regierungswechsel hinaus. 

Prof. Dr. Thomas Hartkopf (stellvertretender Vorsitzender des Forum für Zukunftsenergien und Leiter des Fachgebiets Regenerative Energien an der Technischen Universität Darmstadt) zeigte auf, dass sich eine nachhaltige Energieversorgung nur stetig entwickeln wird. Er verdeutlichte diese Aussage am Beispiel der Kosten für die erforderlichen technischen Infrastrukturen. Ihre Errichtung sei so kapitalintensiv, dass schon deshalb nur langfristig investiert also verändert würde. 

Seiner Auffassung nach würde in der öffentlichen Diskussion über den Ersatz von Kraftwerkskapazitäten der Versorgungssicherheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die geplanten jährlichen Produktionsmengen in kWh aus den unterschiedlichen konventionellen und regenerativen Quellen würden keine Auskunft darüber geben, ob die Versorgung mit elektrischer Energie zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sei. Während die installierte Kraftwerkskapazität fossiler Kraftwerke mit ca. 90% zur gesicherten Leistung beitrüge, läge dieser Wert bei fluktuierenden regenerativen Energien aus Wind und Sonnenlicht bei weniger als 10%. Wege zur Lösung dieses Problems seien neben dem Netzausbau und der Speicherung von Energie auch ein verstärktes Last- und Erzeugungsmanagement, z.B. mit Hilfe moderner Kommunikationstechnologien. 

Thomas Bareiß, energiepolitischer Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, plädierte ebenfalls für eine stetige Entwicklung und verwies auf den Koalitionsvertrag. Darin sei u.a. formuliert, dass die konventionellen Energieträger kontinuierlich durch alternative Energien ersetzt werden sollten. Das Ziel des Bundesumweltministers Norbert Röttgen, bis 2050 die Stromerzeugung in Deutschland fast vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, bezeichnete er als sehr ambitioniert. Im Rahmen der für 2012 vorgesehenen Novelle des EEG müssten die einzelnen regenerativen Energieträger unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit, Grundlastfähigkeit und der Speichertechnologien einzeln betrachtet werden. Im Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien müsste auch das Thema „Netze“ angegangen werden.

Ferner betonte Bareiß, dass auch in Zukunft nicht auf die Kohlekraft und die Kernenergie verzichtet werden könne. Es müsse gemeinsam mit den Bundesländern für Verständnis für die CCS-Technologie geworben und die Diskussionen dort versachlicht werden. Weiterhin unterstrich er, dass die CO2-Einsparungsziele der Bundesregierung ohne die Kernenergie nicht zu erreichen seien. Bei der Festlegung der Dauer der Laufzeitverlängerung sollte beachtet werden, dass in anderen Ländern Laufzeiten von 45-60 Jahren möglich sind. 

Bezüglich der denkbaren Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz unterstrich er, dass die vorhandenen Potenziale durch Anreize und nicht durch Zwang gehoben werden sollten. Wichtige Punkte hierbei seien u.a. das Gebäudesanierungsprogramm, das vor wenigen Tagen aufgestockt worden sei, und die europäische Energieeffizienzrichtlinie, die gemäß Koalitionsvertrag 1:1 umgesetzt werden soll.

Schließlich müsse auch die Akzeptanzproblematik von Großprojekten in allen Bereichen zusammen mit den Oppositionsfraktionen angegangen werden. 

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dr. Werner Brinker (Vorstandsvorsitzender des Forum für Zukunftsenergien und der EWE AG) mit Dr. Christian Friege (Vorstandsvorsitzender der LichtBlick AG), Dr. Wolfgang Cieslik (Mitglied der Geschäftsführung, EVONIK Steag GmbH), Albert Filbert (Vorsitzender des Vorstandes, HEAG Südhessische Energie AG), Heiko Roß (Geschäftsführer der BARD Holding GmbH) und Prof. Dr. Carl Christian von Weizsäcker (Vorstandsmitglied Forum für Zukunftsenergien und Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern) forderten alle Unternehmensvertreter die Verlässlichkeit von Rahmenbedingungen, die nicht von jeder neuen Regierung geändert werden dürften. Mit dem Verweis auf eine einmal erfolgte Wahl eines bestimmten Geschäftsmodells und damit verbundene finanzielle Entscheidungen; einschließlich der damit verbundenen Planungs- und Bauzeiten, zielten ihre Argumente überwiegend in die gleiche Richtung. 

Herr Prof. Dr. von Weizsäcker nahm eine entgegengesetzte Position ein. Der Wunsch nach stabilen Rahmenbedingungen widerspreche dem Prinzip der Demokratie. In einer Demokratie könnte sich die Politik aufgrund von wechselnden Mehrheiten ändern und damit auch die Rahmenbedingungen. Die Energiewirtschaft müsse sich darauf einstellen.

Im Verlauf der Debatte wurde außerdem die Frage diskutiert, inwieweit  Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke mit dem angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien vereinbar seien. Herr Dr. Friege und Herr Filbert sahen darin einen großen Widerspruch. Sie vertraten die Auffassung, dass es keine Stromlücke auf der Erzeugungsseite gäbe und der Markt gesättigt sei. Wenn die Kernkraftwerke also am Netz blieben, wäre kein Bedarf für weitere Erzeugungskapazitäten gegeben. Da der heutige Kraftwerkspark von der Grundlastfähigkeit ausgehe und die regenerativen Energien jedoch fluktuierend seien, sei eine neue Struktur bezüglich der Erzeugung und der Verteilung (Netzstrukturen) erforderlich. Inwiefern diese These trotz des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren trägt, wurde nicht diskutiert. 

Das Forum für Zukunftsenergien bedankt sich bei der BARD Holding GmbH, der Deutsche Bank AG, der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) und der LichtBlick AG sehr herzlich für die Unterstützung der Veranstaltung. 

   

Mit freundlicher Unterstützung von:

 


   

 

 

 

 
 
     
 

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