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Zum Zeitpunkt heftiger öffentlicher Diskussionen über den Umbau der
Energieerzeugungsstrukturen und die damit einhergehenden Investitionen in
Infrastruktureinrichtungen in Deutschland diskutierte das Forum für
Zukunftsenergien im Rahmen des Energieforum 2011 über Wege, die Akzeptanz
für solche Projekte zu verbessern.
Das
Energieforum fand unter den schrecklichen Eindrücken der weiter
andauernden Katastrophe in Japan und der daraus resultierenden
Entscheidung der Bundesregierung, ein dreimonatiges Moratorium zur
Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke zu erlassen und für diesen
Zeitraum sieben Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen, statt.
Der
Kuratoriumsvorsitzende des Forum für Zukunftsenergien, Dr. Tessen von
Heydebreck, betonte, dass diese Entwicklung möglicherweise den
Realisierungsdruck weiterer Infrastruktureinrichtungen zum Umbau der
Energiewirtschaft erhöhen werde und somit die Erreichung von Akzeptanz
dringender geboten sei denn je. Zusätzlich verdeutlichte er, dass die
Zukunft des Industriestandortes Deutschland in ganz entscheidendem Maße
vom wirtschaftlich-technischen Fortschritt abhänge, der ein
gesellschaftliches Bewusstsein für die Notwendigkeit von
Energieversorgungsstrukturen und Akzeptanz für die damit verbundenen
Nachteile und Einschränkungen voraussetze. Mit Blick auf die in diesem
Zusammenhang diskutierten Formen direktdemokratischer Entscheidungen gab
er zu bedenken, dass diese weitgehend nicht durch eine repräsentative
Mehrheit herbeigeführt würden, die zudem – anders als die Organe der
Repräsentativverfassung - weder dem Gemeinwohl verpflichtet sei noch für
die Folgen verantwortlicht gemacht werden könne.
Dieser
Bewertung stimmte Jochen Homann, Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium und Kuratoriumsmitglied des Forum für
Zukunftsenergien, zu. Um die erforderliche Akzeptanz zu erreichen, sei es
seiner Ansicht nach notwendig, die Betroffenen sehr frühzeitig objektiv
und umfassend zu informieren. Dabei müssten sowohl die Für- als auch die
Gegen-Argumente genannt werden, so dass ein ehrlicher und transparenter
Dialog geführt werden kann. Schließlich reiche aber auch die Diskussion
allein nicht aus, denn am Ende müssten die folgerichtigen Entscheidungen
getroffen werden. Das Energiekonzept der Bundesregierung sehe zur
Schaffung von Akzeptanz verschiedene Maßnahmen vor. Als Beispiele nannte
er eine Netzplattform, mit der die Bundesregierung den Dialog mit den
wichtigsten Akteuren (insbes. den Netzbetreibern und Ländern) suche, um
mit ihnen Konzepte zur Bewältigung der Herausforderungen für den
Netzausbau zu entwickeln sowie eine geplante Dialogplattform für die Bevölkerung.
Homann verdeutlichte, dass auch die NGOs wichtige Kommunikationspartner
darstellten, obwohl man feststellen müsse, dass deren Positionen auf
Bundesebene nicht immer mit den kommunalen Positionen übereinstimmten.
Mit
Blick auf das Moratorium der Bundesregierung hob er hervor, dass deren
Energiekonzept weiterhin gelte, denn diese Entscheidung werde lediglich
Anpassungen und Akzentverschiebungen hinsichtlich der Kosten,
Energieerzeugungsstrukturen und -kapazitäten nach sich ziehen.
Die
anschließende Podiumsdiskussion unter der Moderation des
Vorstandsvorsitzenden des Forum für Zukunftsenergien, Dr. Werner Brinker,
brachte als Ergebnis, dass es zwar kein Patentrezept zur Herstellung von
Akzeptanz für alle Projekte gebe, bestimmte Leitlinien – wie z.B. eine
frühzeitige Beteiligung und eine transparente Informations- und
Entscheidungspolitik - jedoch stets Grundlage sein müssten. Dies
entspricht den Erfahrungen, die Werner Preusker (Geschäftsführer der
Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V.) in dem erfolgreichen
Kommunikationsverfahren zur Imageverbesserung der PVC-Industrie und auch
Dr. Klaus Hänsch (Präsident des Europäischen Parlaments a.D.) als
ehemaliger Vorsitzender der Mediationsgruppe zum Ausbau des Flughafens
Frankfurt sowie Dr. Hans-Jürgen Witschke (Vorsitzender der Geschäftsführung
der DB Energie AG und Vorstandsmitglied des Forum für Zukunftsenergien)
als Vertreter der Bahn sammeln konnten. Vor dem Hintergrund der
Erfahrungen mit dem Neubauvorhaben des Bahnhofs in Stuttgart hob Herr Dr.
Witschke außerdem hervor, dass unabhängig von allen Bemühungen um frühzeitigen
Dialog und Transparenz an der Art und Weise der Auseinandersetzung im
Rahmen der Diskussion gearbeitet werden müsse. Drohungen gegen
verantwortliche Mitarbeiter und ihre Familien, wie es sie im Zusammenhang
mit den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 gegeben habe, halte er für
absolut indiskutabel. Er unterstrich seine Erwartung, dass auch die
Kritiker des Projektes dies zum Ausdruck brächten.
Oliver
Krischer (MdB, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen) wies in der Diskussion
u.a. darauf hin, dass die Transparenz des Verfahrens unmittelbare
Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Beteiligten habe, da in der
heutigen Zeit die digitalen Medien eine Überprüfung der Informationen
erleichtere. Dr. Maria Flachsbarth (MdB, Fraktion CDU/CSU) forderte
ebenfalls eine frühzeitige Beteiligung der Bürger und gab zu bedenken,
dass ein Vorteilsausgleich für Betroffene häufig zu mehr Akzeptanz
beitragen könne.
Das
Forum für Zukunftsenergien bedankt sich bei der Arbeitsgemeinschaft PVC
und Umwelt e.V., der DB Energie GmbH, der Deutsche Bank AG und der EWE AG
sehr herzlich für die Unterstützung des Energieforum 2011.
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